Mario Fiedler

Mario Fiedler


An dieser Stelle habe ich Dinge zusammenfasst, die mir als Person wichtig sind:

Chaos und Ordnung

"Kraut und Ruam (Rüben)“: Beides Gemüsesorten, die ich seit meiner frühen Kindheit gut kenne, da wir sie als „Kleinkeuschler“ selbst aus unserem Garten und vom Feld geerntet haben. Der Begriff „Kraut und Ruam“ steht aber auch für „Unordnung“: Ein Zustand, in dem ein kreativer Prozess stattfinden kann und auf den im Idealfall eine (neue) Ordnung folgt. Für mich ist die Wechselwirkung zwischen Chaos und Ordnung ein ständiger Begleiter, der mich vorantreibt, der mich aber auch erdet.

Geschlossenheit und Offenheit

Der oberösterreichische Vierkanthof – ich habe ihn vor allem bei meinen Wanderungen durch das Mühlviertel kennengelernt – steht meist in einer gewissen Entfernung zu seinen Nachbarn oder er thront auf einem Hügel. Er ist einerseits geschlossen, andererseits hat er viele Fenster. Erst wenn man von seinen Bewohnern/innen eingeladen wird, lernt man den geschützten Innenhof des Vierkanters kennen und das Geschützt- und Integriert-Sein schätzen. Der Vierkanter ist für mich daher ein Sinnbild für Geschlossenheit – mit allen Vorteilen (Schutz, Geborgenheit, autarke Einheit) und Nachteilen (Abschottung, wenig Orientierung nach außen). Wie man an meiner Beschreibung erkennen kann, fasziniert er mich und schreckt mich gleichzeitig auch ein wenig. Tatsache ist für mich, dass er zu einem Teil meines Lebens geworden ist.

Dem gegenüber steht für mich die Kunstrichtung "Fluxus", die in den 1960er Jahren von namhaften Avantgardekünstlern wie John Cage, Josef Beuys oder Yoko Ono bekannt gemacht wurde. Fluxus (lateinisch: flux/fluere "fließend", "vergänglich") und die damit verbundene Kunstrichtung fasziniert mich durch seine grundsätzliche Offenheit für das Ergebnis und für die schöpferische Idee, die in ihrem Zentrum steht. Die Faszination für diesen Denkansatz hat sich bei mir vor einigen Jahren erst entwickelt, als ich von einem Lehrsupervisor darauf angesprochen wurde, dass ihm ein Projekt von mir - der „Offene Krisenstammtisch“ - an die Herangehensweise der Fluxus-Künstler erinnert. Die dadurch angeregte Beschäftigung mit dieser Kunstbewegung hat mich darin bestätigt, wie wertvoll ein sehr offener und kreativer Umgang mit unserer Welt ist. Ganz im Sinne von: „Wenn der Mensch den Sinn für die Kunst verliert, dann hat er den Blick für das verloren, was ihn als Menschen ausmacht!“

Was ich sehr schätze ist das Zusammenwirken von Offenheit und Geschlossenheit. Ein gutes Beispiel ist für mich, wenn Bauernhöfe und Vierkanthöfe für Kulturveranstaltungen geöffnet werden. Davon gibt es in Oberösterreich ein sehr breites Angebot und das ist gut so.

Besondere Orte und besondere Energie

Ich glaube, dass es wichtig ist, sich immer wieder an Orten oder in Gegenden aufzuhalten, die einem gut tun. Für mich ist so eine Region das Mühlviertel und der Böhmerwald. Vielleicht ist es der Granit oder vielleicht sind es die Hügel und Gräben mit ihren unzähligen Bächen – in jedem Fall schätze ich die „erdende“ Energie dieser Gegend und bin daher gern zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Ich möchte an dieser Stelle eine Buchempfehlung geben, die viele besondere Orte dieses Landes in einer besonderen Weise beschreibt: "In der Heimat der Fußkranken" von Dominika Meindl (erschienen 2011 in der Edition moKKa).